Wine Affairs ist eine angenehme Veranstaltung in der Wiener Weinszene. Natürlich bietet sie nicht die Fülle von MondoVino oder die rein österreichische Exzellenz von VieVinum, aber sie ist ein schöner After-Work-Moment, bei dem Weinliebhaber und Neugierige in festlicher Atmosphäre zusammenkommen. Vor zwei Jahren war ich bereits im Hilton dabei; dieses Jahr bin ich zurückgekehrt – und das Marriott erwies sich als eine noch passendere Wahl.
Wie gesagt, es ist ein Anlass zum Probieren und Spielen, ohne sich allzu ernst zu nehmen – und vielleicht gilt das auch für einige Aussteller. Viele Weingüter tragen Namen, die mit deutlich bekannteren Betrieben identisch sind (siehe etwa Kracher dieses Jahr – aber nicht der Kracher mit den Süßweinen), was leicht in die Irre führen kann. So ist es mir vor zwei Jahren ergangen, als ich bemerkte, dass damals in meinen Notizen der „große Name“ mehr zählte als meine Eindrücke. Inzwischen habe ich hoffentlich etwas Ehrfurcht abgelegt – aber diese Erkenntnis war wichtig, wenn auch ein wenig peinlich.
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Die besten Weine, keine langweiligen Punkte
Schauen wir also, wer dieses Jahr herausstach.
Domäne Wachau
Riesling Smaragd Achleiten
Der Star des Tages – nicht perfekt, aber ein echter Erzähler. Feuerstein und exotische Früchte zu Beginn (Mango, Aprikose), dann ein Hauch Rauch, der das Profil verändert. Die gut geführte Säure verleiht dem Wein Spannung; der Gaumen ist breit, fast kaubar. Der Abgang trocknet präzise, dank einer phenolischen Extraktion, die Klasse und Kraft verleiht. Tolle Säurestruktur und Komplexität.
Riesling Federspiel 1000-Eimer-Berg
Ein Wein, der mit der Achse Mango–Säure spielt und alles in Balance hält. Die Nase ist offen, klar, fast sonnig. Am Gaumen saftig, mit reifer Frucht, die von einer vertikalen Säure gut getragen wird. Viel zu geben – und zu entdecken.
Grüner Veltliner Smaragd Terrassen
Braucht Zeit. Die Intensität ist da, die Präzision ebenso, aber der Wein wirkt noch etwas komprimiert, fast atemlos. Man spürt eine schöne Weite und aromatische Schichtung, doch die Struktur dominiert noch. Geduld lohnt sich – großes Potenzial.
Grüner Veltliner Federspiel Terrassen
Bereits trinkreifer als der große Bruder – ein Beispiel für „subtile“ Eleganz. Fast silbrig in der Farbe, mit Aromen von weißer Frucht, frisch geschnittenem Gras und einem Hauch Löwenzahn. Alles ist stimmig, alles etwas interessanter als erwartet. Ein Wein, der zeigt, dass Klassik auch spannend sein kann.
V.D.N Grüner Veltliner
Ein halb gelungenes Experiment. Beim letzten Mal war die Nase bezaubernd – diesmal dominieren stechende Noten von Aceton und Lösungsmittel. Doch am Gaumen überzeugt er: voller Körper, runde Struktur und ein gelungenes Gleichgewicht zwischen Restsüße und Alkohol. Kein einfacher Genuss.
XA22 Grüner Veltliner
Schnell, direkt, fruchtig. Mit einer feinen Intensität.
Teil II: Grüner, Roter und Blaufränkisch – Zwischen Klischee und Überraschung
Groll
Mit Groll betritt man eine andere Kategorie – kleine Produzenten, deren Weine oft nicht gerade hochwertig sind, um es freundlich zu sagen.
Vom Löss Grüner Veltliner
Mehr Wiese als Terroir – frisch gemähtes Gras, Chlorophyll, Heu. Eine monotone Nase und ein Gaumen, der dasselbe liefert. Ein typisches Beispiel für einen zu jungen oder wenig ausgearbeiteten Wein. Bitte mähen.
Ried Käferberg Grüner Veltliner
Schon besser. Hier spricht die Frucht: Pfirsich, Aprikose, ein Hauch Honig. Mehr Struktur, bessere Verbindung zwischen Nase und Gaumen. Kein Sensationserfolg, aber mit Würde.
Mehofer – Der zaghafte Roter
Roter Veltliner Riesmein
Der Roter Veltliner sucht seit Jahren nach einer starken Erzählung – bisher ohne Erfolg. Hier das übliche Skript: Apfel, Birne, Kräuter. Die Nase ist schüchtern, fast nicht vorhanden, aber mit Zeit kommt die Frucht. Gute Säure, ordentliche Fruchtkonzentration. Noch verschlossen – einen zweiten Versuch wert.
Pöttelsdorf – Drei Gesichter des Blaufränkisch
Abendrot Blaufränkisch
Der ausgewogenste der Serie. Fruchtige Nase (Kirsche, reife Himbeere), samtiger Mund, lange und geformte Tannine. Ein Wein, der Eleganz und Substanz harmonisch verbindet. Wunderschöne Textur.
Attacke Cuvée
Weniger interessant. Viel Frucht (Heidelbeere, schwarze Johannisbeere), leichte Struktur. Kein bleibender Eindruck.
Avatar Blaufränkisch
Muskelbepackt, fast aggressiv. Setzt auf Intensität und Kraft, ohne viel Ausdruck. Spannende Tannine und ein Finale mit Zartbitterschokolade – aber es fehlt die Tiefe.
Teil III: Keringer und Matalj
Keringer
Keringer weiß, was es will: klare, strukturierte, zugängliche Weine. Die Linie 100 Days verkörpert diese Philosophie voll. Keine Geistesblitze, aber alles ist durchdacht und sauber gemacht.
Aviator Blaufränkisch
Der beste Rotwein von Keringer bei Wine Affairs. Langer, feiner Tanninfluss, gut dosierte Frucht (Brombeere, dunkle Kirsche), gekonnte Extraktion. Langer Abgang mit würziger Note – balanciert zwischen Eleganz und Konzentration.
Zweigelt 100 Days
Typischer Zweigelt – mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die Erdbeertorten-Note dominiert, unterstützt von weichem Körper, milden Tanninen und gastronomischer Textur.
Merlot 100 Days
Klassisch. Reife Frucht, mittlerer Körper, ausgewogene Struktur. Sehr Keringer: fruchtbetont, aber mit Charakter.
Shiraz 100 Days
Interessant – der Syrah hat hier viel seiner typischen Würze verloren. Die pfeffrige Note kommt erst spät, während rote und schwarze Früchte dominieren. Ausdruck der Kellerphilosophie: kein typischer Syrah, sondern ein gastronomischer, angenehmer Wein mit pudrigen Tanninen und guter Säure.
Matalj Vinarija – Strukturiertes Serbien
Die internationalen Gäste waren dieses Jahr serbische Weingüter – und der Ton änderte sich. Matalj zeigt ohne Scheu Kraft und Materie. Die Weine beeindrucken mit Volumen, Tannin und Holzeinsatz – und behalten dennoch Frische.
Sauvignon Blanc „Terasa“
Ein Paradebeispiel für gut gemachten mitteleuropäischen Sauvignon – aber nichts Neues. Grüner Apfel, Stachelbeere, saftiger und lebendiger Gaumen, schöne Textur. Schwer, Begeisterung zu entfachen.
Kremen Kremenjača
Ein trockener Schlag in der Nase: Lakritz, Schokolade, Graphit. Am Gaumen straffe Tannine. Substanzreicher Wein.
Začinak Bukovski
Weniger kraftvoll, aber ebenso bestimmt. Die Würze ist weicher (süßer Pfeffer, Zimt), die Tannine runder. Angenehm in seiner kultivierten Rustikalität.
„Bordeaux Blend“
Ein klassischer, im Holz geformter Blend. Das Holz ist spürbar, stört aber nicht. Gewürze wie Schokolade und Muskat, geschliffene Tannine strukturieren den Schluck.
Kremen Cabernet Sauvignon
Die Säure ist da, die festen Tannine auch – aber es fehlt das Zentrum, die Textur. Klassische Himbeernase.
Teil IV: Orange, Aristokraten und frische Farbe
Plavinci – Natürliches, rohes Serbien
Wenn Matalj Serbien im Anzug ist, dann ist Plavinci Serbien im Hipster-Look. Natürliche Weine, oft am Limit, selten begeisternd. Immer mit dem typischen Profil: Frucht, ja – aber auch Aceton, Lack, Spontaneität.
Cilibar Panonia
Picknickwein. Frische Nase mit einem feinen Hauch von frischer Farbe. Am Gaumen lebendig, kurz, ehrlich. Angenehm.
Selena
Ein strukturierterer und interessanterer Weißwein. Reichere Textur, gelbe Frucht, zarte Tannine. Bleibt „raw“, aber mit mehr Substanz.
Traminer in Amphore
Viele Aromen und die typische, gut eingebundene Säure der Rebsorte. Ich würde ihn nochmal probieren – begeistert hat er mich nicht.
Orange Pinot Grigio
Der radikalste im Feld. Wieder diese Lacknote (diesmal stärker), aber auch ein gut integrierter, packender Tanninfluss. Nicht mein Stil – aber wer sowas sucht, findet hier, was er sucht.
Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein
Auf den ersten Blick (und auch auf den ersten Duft) wirken die Weine der Hofkellerei unspektakulär. Doch sie besitzen eine konsistente Zartheit, zurückhaltende Eleganz und stilistische Klarheit.
Herrnbaumgarten
Ein Weißwein, der etwas Grüner und etwas Riesling kombiniert – ohne Anspruch. Steinobst, weiße Blüten, grüner Apfel im Abgang. Kein Ausreißer, aber alles passt.
Profundo Zweigelt
Zarter als der Zweigelt von Keringer. Noch immer Erdbeere, noch immer Weichheit – aber weniger Intensität und Grip.
Leithaberg Blaufränkisch
Der beste Wein des Gutes. Aromatischer Blaufränkisch mit einer knackigen floralen Note, klarer Säure und gut geformtem Tannin. Sehr stimmig, agil und sauber.
Wine Affairs bleibt eine großartige Gelegenheit für alle, die gerne gut und entspannt trinken. Domäne Wachau ragte heraus, Keringer überzeugte – der Rest war schöne Begleitung.
Meine „Awards“ für die Wine Affairs Spring Edition 2025
- Bester Wein: Riesling Smaragd Achleiten
- Bestes Weingut: Domäne Wachau
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