Am Montag, 28. April stellten das Team von Selezione Italia und Josef Maria Schuster von Vino Autentico ein ganz besonderes Event auf die Beine. Anders als sonst, wo Selezione Italia italienische Winzer vor allem mit Fachbesuchern (Weinhandel, Gastronomie, Vertrieb) zusammenbringt, durfte diesmal auch das private Publikum mitverkosten – eine Erweiterung, die den Wiener Verkostungskalender spürbar bereichert. Der Ort war ebenfalls neu: Statt des langjährigen, geschätzten Hotel Regina traf man sich im Ristorante Il Cavalluccio im ersten Bezirk, mitten im Zentrum.
Diese neue Ausrichtung hatte erneut den großen Vorzug, weniger bekannte italienische Weingüter nach Wien zu holen. Italiens schier unerschöpfliche oenologische Vielfalt – unzählige autochthone Rebsorten, Stilrichtungen und Klimata von Südtirol bis Apulien – ist Segen und Fluch zugleich: Gerade für Konsumenten gleicht sie oft einem dichten Dschungel.
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Warum solche Verkostungen wichtig sind
- Eine Bühne für die nicht ganz so bekannten Namen – nichts gegen Antinori oder Gaja, aber es gibt noch viel mehr in Italien.
- Scheinwerfer auf weniger bekannte Regionen und Weine – der neugierige Genießer kostet alles Mögliche; manches Glas bleibt blass, doch ein Highlight aus einer ungewohnten Ecke kann Funken schlagen und zu weiterer Entdeckungsfreude führen.
Nachfolgend ein kurzer Überblick meiner Eindrücke von den bei “Degustiamo Vino Autentico” ausgeschenkten Weinen.

Die Weine von Degustiamo Vino Autentico
Tenute La Montina
Franciacorta Millesimato Brut 2020
Klassische Aromen von Zitronenschale und Brotrinde. Feine, anhaltende Perlage; am Gaumen mittelgewichtig, cremig, herzhaft und lang.
Feudo Disisa
Roano 2018
Präzise Nase mit Pfeffer und Brombeere. Am Gaumen würzig-fruchtig, aber etwas weniger definiert als in der Nase.
Tenuta Casenuove
Insgesamt ein überzeugendes Line-up – besonders die Chianti-Abfüllungen; der Toscana IGT gefiel mir weniger.
- Chianti Classico 2021
Mich begeistert der Duft staubiger, sonnenwarmer Feldwege. Moderate Frucht, aber feinkörniges Tannin trägt. - Chianti Classico Gran Selezione 2019
Spürbar kräftiger. Schwarze Beeren und Petrichor in der Nase, dichter Gaumen, reifes Tannin. - Rosso 2020
Sehr leichte Fruchtkonzentration; angenehme Himbeernoten, aber etwas wenig Persönlichkeit.
Bosco de’ Medici
Zwei kampanische Weißweine, die meine Aufmerksamkeit weckten.
- Lavaflava 2023
Pures Vergnügen – salzig, spritzig, unkompliziert. Limette und Grapefruit in der Nase; dichter, knochentrockener Gaumen mit eleganter Zitruszeste. - Pompeii Bianco 2023
Amphorenausbau bringt Tiefe. Dichte Struktur mit Honig- und Zitrusakzenten. Ein Speisenbegleiter.
Buglioni
Dieses Weingut spielt in einer eigenen Liga: Teste Dure, der Star des Tages, liegt im Handel bei über 200 €. Ob er das wert ist, lässt sich nach einem Schluck schwer sagen, doch der Wein ist großartig – wie auch Il Lussurioso.
- l’Imperfetto Valpolicella Superiore Classico 2022
Florale, verspielte Nase; leichter, aber lebendiger Körper. - Il Lussurioso Amarone della Valpolicella Classico 2022
Herrlich tief: Kastanie, eingekochte Pflaume, Wacholder, Erde – dabei lebhafte Würze und jugendliches Potenzial. - Teste Dure Amarone Riserva 2015
Eine andere Sphäre. Orangenschale und Pflaume springen aus Glas und Gaumen; das endlose Finale breitet sich wie ein schwarzer Ballon im Mund aus. Fantastische Fruchtkonzentration, voller Körper.
Tiare
Meine Schwäche für den Collio ist bekannt, doch diese Weine wirkten im Vergleich zu vielen friulanischen Kollegen verhalten.
- Masserè 2024 – Leicht süßliche Friulano-Art; dichte Frucht, Rosenblüte, Holunder und Honig am Gaumen. Mittlerer + Körper.
- Malvasia 2024 – Sehr blass: Melisse, getrocknete Kräuter, wenige weiße Blüten; geringe Frucht.
- Sauvignon FVG IGT – Müde, erinnert an charakterlosen steirischen Sauvignon; ordentliche Säure.
- Collio Sauvignon 2024 – Etwas besser, aber immer noch enttäuschend: Apfel, Tomatenblatt, leichte Reduktion; mittlerer Körper, kurzer Abgang (eventuell zu kalt serviert).
Terre Segrete
Ein spannender Produzent mit ansprechenden Etna Bianco-Weinen.
- Pappagone Etna Bianco DOC 2022 – Angenehm, ausgewogene Säure, weder zu scharf noch süß.
- Pellottola Etna Bianco DOC 2021 – Carricante tritt deutlicher hervor: Dichte, Süße, Jasminaromen verleihen Tiefe.
Tenuta Gorghi Tondi
Erfreulich ehrliche Preise. Nicht jede Abfüllung bleibt hängen, doch der Nero d’Avola hat mich begeistert – und die Etiketten sind wunderschön.
- Coste a Preola Grillo 2024 – Gefällig, aber nicht unvergesslich.
- Meridiano 12 Zibibbo 2023 – Typisch süßliche Aromatik, trocken und angenehm.
- Kheirè Riserva Grillo 2023 – Kräftiger Körper, Zitrus, Piniennadeln – sehr schön.
- Coste a Preola Nero d’Avola 2024 – Herb-luftige Aromen, zugleich dicht. Frische rote und schwarze Beeren, lebhafte Säure; gelungene Balance zwischen moderner Fülle und Struktur.
- Grillodoro 2017 – Walnussnoten, herbstlich, vielleicht etwas Alkoholüberschuss. Barocke Kraft, gefährlich trinkig.
Petrelli
Don Pepe 2019 – Viel Holz und griffiges Tannin. Natürlich auch Maulbeere und Pflaume, doch das Fass dominiert. Wer es üppig mag, wird glücklich.
Meine persönlichen Auszeichnungen
- Bester Wein: Teste Dure Amarone Riserva 2015 – Buglioni
- Bester Produzent: Buglioni
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